´bout love Rezension zur Premiere von „‘bout love“, Das Kult, 1. Oktober 2016  Von Dr.Isabel Kobus Was ist eigentlich Liebe? Geht es vor allem um Sex? Oder um die Einheit mit dem  Einen? Ist Liebe Chemie? Oder alles nur ein Spiel? Und warum ticken eigentlich Männer  und Frauen so unterschiedlich?  „‘bout love“, das neue Theaterprojekt von Heinz-Dieter Vonau und Jutta Buchholz, hat  sich eine Menge großer Fragen vorgenommen. Und führt den Zuschauer geschickt und  unterhaltsam durch die möglichen Antworten. Da wird Liebe unter anderem aus  evolutionärer Sicht betrachtet (dient der Arterhaltung), aus psychologischer („Wir  brauchen den anderen, weil wir nicht allein sein können“), aus chemischer (wobei Vonau  und Buchholz überzeugend die Prozesse veranschaulichen, die bei einem Kuss im  Körper ablaufen) und aus physikalisch-spiritueller (Liebe als Energie eines Ur-  Bewusstseins). Dass es dabei nicht zu theoretisch wird, ist den scharfzüngigen und witzigen Dialogen zu  verdanken – und den Darstellern Vonau und Buchholz. Die beiden brillieren vor allem in  typischen Mann-Frau-Diskussionen, die kein Klischee auslassen. Vonaus  schauspielerisches Talent manifestiert sich außerdem in schwungvollen Ansprachen an  das Publikum – mal selbstironisch-predigerhaft, mal freundlich-mitfühlend. Und dann ist  da noch die Musik: Eingängige jazzige Arrangements von Kurt Klose – er begleitet auch  auf dem Klavier, zusammen mit dem kongenialen Gitarristen Karl W. Haak – und Songs  von „Temptation“ über „Love Sick“ bis zu Leonard Cohens „Dance Me To the End of  Love“ runden das Theater-Erlebnis ab. Dabei überzeugt die kraftvolle, groovige Stimme  der ausgebildeten Sängerin Buchholz ebenso wie der Vonaus rauer, exzentrischer Bass.  So wird „‘bout love“ zu einer musikalisch-philosophischen Revue, in der es keinen  Moment langweilig wird. Ernst und witzig, selbstironisch und tiefsinnig – den Akteuren  gelingt es von Anfang an, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen und Fragen zu  stellen, in denen sich jeder wiederfinden kann. Die ultimative Antwort darauf, was Liebe  ist, bleibt dann vielleicht doch aus. Doch wie es so bei der Liebe ist: Die Emotionen  spielen wohl eine größere Rolle als der Intellekt. Und die gelingt es der Aufführung zu  wecken. Wenn es am Ende heißt: „Erlauben wir uns eine offene Sehnsucht nach allem,  was ‚Du‘ ist“,  denkt sich der geneigte Zuschauer: „Ja, nach so einem schönen Abend  darf ich mir das durchaus erlauben.“ Was will man mehr?